Veranstaltungsberichte

Ostalpen 2.-7.9.2006

oa chiemseeSonntag, 2.9.

Wie gewohnt stand wieder unsere jährli-che Alpentour an. Wie gewohnt? Na ja, diese hier sollte sich schon noch in eini-ger Hinsicht von den bisherigen unter-scheiden. Es begann bereits damit, dass wir uns nicht am Bodensee wie in den letzten Jahren, sondern am Chiemsee sammelten. Der Kontrast zwischen Ber-gen und See kam hier irgendwie impo-santer raus. Auch hatten wir noch nie so viele Tagesgäste, die nur mal zum „Hal-lo“ sagen z.T. schon am Vortag ange-reist waren. Nach dem Aufbau der Zelte - so nah wie noch nie am Wasser - ge-nossen wir gemeinsam das Spätsom-merwetter und die grandiose Aussicht beim Abendessen direkt am Ufer.

 

oa nockalmMontag, 3.9.

Unsere Frühstücksrunde fand heute fast schon im Wasser statt. Um 9.30 Uhr gings dann endgültig los. Wir wollten die komplette Strecke zum Ziel an einem Tag und ausschließ-lich über Landstraßen fahren. Auch ungewohnt, dass unser Endziel so nah war…

Bei Reit im Winkl überquerten wir die österreichische Grenze, und schon bald durften wir den ersten Pass unter die Räder nehmen: Den 1292 m hohen Dientner Sattel. Er war zwar nicht besonders hoch, da-für schon knackig steil, und bildete einen schönen Einstieg. Der Rad-städter Tauernpass war mit seinen 1783 m schon wesentlich höher, aber fahrtechnisch nicht unbedingt interessanter. Dafür wies der gleich darauf folgende, 1641 m hohe Katschbergsattel auf seine Südseite Gefällstrecken von bis zu 21% auf. Spätestens hier wurde klar, dass die Passstraßen in den Ostalpen zwar nicht so hoch, aber dafür deutlich steiler als in den westlicheren Teilen sind. Den fahr- und landschaftstechnischen Höhepunkt bildete allerdings die Nockalm-Höhenstraße, die mit ihren 2042 m durchaus auch in die Zentralalpen gepasst hätte.

Die Fahrt darüber war so schön, dass die Mautgebühr schnell vergessen war, zumal sich das Wetter den ganzen Tag über von seiner angenehmsten Art zeigte. Bereits um 16.30 bauten wir unsere Zelte am Ossiacher See bei Villach auf. Es hatte liebliche 25°. Abends speisten wir dann im Freien bei der Zeltplatzgaststätte.

 

oa mangartDienstag, 4.9.

Der erste Tagesausflug führte uns durch Villach durch nach Slowenien hinüber. Auf unserem Weg stießen wir auf eine weitere Besonderheit der diesjährigen Alpentour: Diese Woche fand gerade die European Bike-Week statt. Bis zum Freitag Abend wurden 50.000 (!!!) Motorradfahrer (vorwie-gend Harleys) aus aller Welt erwartet. Demzufolge waren alle Straßen und Plätze im Umkreis von 50 km mit Mo-torradfahrern bevölkert, eine Situation, die fast schon unwirklich erschien. Wir ließen den Faaker See allerdings links liegen und steuerten den 18% steilen Wurzen-Pass (1071 m) an, der uns nach Slowenien führen sollte. Richtig Spaß machte der 1622 m hohe Vrsic-Pass mit seinen vielen Kehren. Die zahlreichen Unebenheiten konnten wir mit unseren Transalps gelassen se-hen, hielten sie doch die Harley-Fahrer fern… Die mittlerweile komplett asphaltierte Mangart-Höhenstraße (2055 m) glänzte durch Atem beraubende Ausblicke. Als wir vor 12 Jahren hier waren, herrschte noch Schotter vor. Über den Predil-Pass (1160 m) gings auf einem schönen Belag und süchtig machenden 3.-Gang-Kurven nach Italien und über das Nassfeld-Joch (1541 m) zurück nach Österreich, womit wir unsere Dreiländerrunde komplett machten.

 

oa stolMittwoch, 5.9.

Heute stand Schotter auf dem Pro-gramm. Immerhin die Hälfte der Teil-nehmer fieberte seit Tagen diesem Ereignis entgegen. Dazu fuhr die ganze Truppe wieder nach Sloweni-en. In Kobarid angekommen trennten wir uns in zwei Gruppen auf. Die Schotterfahrer wollten den als an-spruchsvoll geltenden Stol-Pass (1390 m) befahren. Die anderen be-sichtigten derweil ein Fort aus dem Ersten Weltkrieg. Die Stol-Gruppe er-wartete zunächst die schönste as-phaltierte Kurvenkombination des ganzen Urlaubs, bevor es dann ab-rupt und gleich knackig auf die Schotterpiste ging. Sehr schnell wur-de klar, warum der Stol als so schwierig gilt: Grober loser Schotter in den obersten Passagen - und das an ausgesetzten Stellen. So man-chem wurde es schon etwas mulmig, wie das Hinterrad am Abgrund ent-lang bis zu einem Meter versetzte. Die Sache machte dennoch tierisch Spaß. Zudem gerieten wir in eine Paragliding-Weltmeister-schaft. Der Himmel war regelrecht übersät mit diesen Fluggeräten. Nachdem sich die beiden Gruppen im Tal wieder vereinigt hatten, ging es zurück. Dieses Mal waren wir noch so zeitig am Zeltplatz, dass es zu einer Badeeinlage im Ossiacher See reichte. Ein perfekter Tag ging zu Ende…

 

oa bledDonnerstag, 6.9.

Unser letzter Ausflug führte uns wie-der nach Slowenien. Dieses Mal etwas mehr nach Osten, nach Bled. Auf dem Hinweg befuhren wir eine sehr einfa-che Schotterpiste durch ein wirklich überaus romantisches Tal, das jedem Heimatfilm zur Ehre gereicht hätte. In Bled genossen wir in einem Straßen-café die berühmte Aussicht auf den See mit Burg und Felsen mitten in der Stadt. Aber auch bis in diese Idylle weitab vom Faaker See spürte man die Auswirkungen der European Bike Week: Harleys soweit das Auge reicht.

Nachmittags erkundeten wir noch eine Reihe kurviger Asphaltstrecken um Bled, bevor wir uns auf den Weg an den Faaker See machten. Das Großer-eignis wollten wir uns doch mal aus der Nähe ansehen.
In der Tat übertrifft es alles, was man in Europa so kennt. Die Ringstraße um den See war für Autos komplett gesperrt und nur in einer Richtung zu befahren. Und 24 Stun-den am Tag fuhren da Tausende von Motorrädern im Kringel herum nach dem Motto „Sehen und gesehen werden“. Das Fest wäre am besten zu beschreiben als eine Mischung aus Oktoberfest, Karneval und Elefantentreffen. Und das Wetter war vom Feinsten. So viele Kuriositäten an Menschen und Maschinen gibt es in Europa wohl kein zweites Mal zu sehen. Wir schauten uns allerdings nur kurz um. Nach zwei Stunden waren wir wieder auf dem Zeltplatz und genossen einen richtig schönen Grillabend, veranstaltet durch die Platzleitung.

 

Freitag, 7.9.

Das war sie nun auch schon wieder - unsere Ostalpentour. Ein letztes gemeinsames Frühstück, und die Teilnehmer fuhren wieder in ihre heimatlichen Gefilde zurück.

 

Fazit:

Es bedarf nicht immer Straßen jenseits der Baumgrenze, um maximalen Spaß zu genießen. Natürlich hatten wir auch noch richtig Glück mit dem prächtigen Spätsommerwetter. Und dann noch dieses „Daytona in Kärnten“. Alles in allem eine wirklich ungewöhn-liche Alpentour, an die wir sicher noch lange zurückdenken werden.

 

Organisation: Georg Spindler
Fotos: Detlef Kaiser, Georg Spindler, Bodo Lubenski

 

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